„Denn Gelehrsamkeit allein genügt nicht; es gibt ein Wissen des Herzens, das tiefere Aufschlüsse gibt. Das Wissen des Herzens ist in keinem Buche und in keines Lehrers Munde zu finden, sondern es wächst aus dir wie das grüne Korn aus schwarzer Erde.“

C.G. Jung | Rotes Buch

 

Wenn ich schreibe oder male ...

... geht es um Schöpfung, um das Entstehen und Vergehen, um das Goethe‘sche „So lang du es nicht hast, dieses Stirb und Werde, bist du nur ein trüber Gast auf dieser Erde.“

Wir leben in Zeiten eines gewaltigen, globalen Paradigmenwechsels, in der die perspektivische Weltsicht der Renaissance durch ein aperspektivisches Gewahrwerden abgelöst wird.

Ein neues, sich weitendes Bewusstsein entsteht, das immer neue Facetten der  Wirk-lichkeit(en) in einem 360-Grad-Modus erfassen kann. Wir können (wieder und erstmals bewusst) erkennen und erspüren, dass wir Natur sind.

Es sind Begriffe wie Fantasie, Energie, Intuition, Liebe, Ethik, Autonomie, Schaffensdrang, Freiheit, Unendlichkeit, Leichtigkeit, Innerlichkeit, Beweglichkeit, Wandel, Demut, die in dieser neuen Weltsicht tanzen, singen, sprechen, schreiben und malen.

Vor allem aber: Das neue Paradigma ist mandalisch in dem Sinne, dass die Trennung des Profanen und des Heiligen aufgehoben wird, Peripherie und Zentrum in einem Feld zusammenkommen.

Wie es anfing ...

... in der Rückschau erkenne ich einen roten Faden.

Fragen wie: Wer oder was bin ich? Woher komme ich? Was ist der Sinn des Lebens? Wohin geht die Reise? Wie könnte ein gerechtes, friedfertiges,  glückliches Leben aussehen? Was bedeutet „glücklich sein“ überhaupt? haben mich seltsame Pfade – und Irrwege – bewandern lassen.

Anfangs - damals „68“ - meinte ich, über die politische Verfassung sei Freiheit, Liebe, Angstbewältigung, Gerechtigkeit herzustellen.

Später gesellten sich die psychologischen Dimensionen dazu, und nach einer Weltreise und der Begegnung mit östlicher Philosophie und spiritueller Praxis weitete sich mein Wirklichkeitsverständnis ein weiteres Mal.

Das Eindringen in die in Indien seit uralten Zeiten entwickelten geistigen Übungen war faszinierend und befruchtend, doch konnte ich darin keine wirkliche Heimat finden ... anders als viele Weggefährten.

Die transzendenten Wahrheiten schienen das Geheimnis des Zusammenwirkens von  äußerer und innerer Wirklichkeit nicht lösen zu wollen oder zu können.

Am tiefsten Punkt meiner (Helden)Reise, der „Dunklen Nacht der Seele“, ließ mich das Schicksal den Weg von Christina Kessler kreuzen, und ihr „amo ergo sum“  gab mir eine rettende, erfahrbare und transformierende Lösung sowie ein philosophisch schlüssiges Konzept zur Hand.

Eines Tages überfiel mich dann der Wunsch, ein richtig großes Bild in meinem Zimmer hängen zu sehen. Bilder dieser Größe waren nicht zu haben oder erschwinglich, also musste ich mir selbst eines malen.

Es war wie eine „Wiedergeburt“ (so taufte ich das erste Bild). Da war es, das ganz praktische Mittel, um mit dem „Unsichtbaren hinter dem Sichtbaren“, mit dieser instrinsischen Verbindung zwischen „Innen“ und „Außen“ experimentieren zu können.

Und dann entdeckte ich die Worte neu (erstaunt, denn sie waren schon immer meine Gefährten gewesen), als Fahrzeuge, mit denen ich meine Innenwelten bereisen, mir ein Bild von mir selbst und dem Draußen machen und Geschichten nun auf ganz andere Weise erzählen konnte.

Und diese Rilke-„Variation“ bildet den Prozess korrelierender Zufallsvariablen ab, die mein Leben durchirren ...

„Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über mein Erleben ziehen. Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn. Ich kreise um mein Sehnen, um die uralte Kraft, und ich kreise, umringe, finde, verliere, lebe, sterbe ewiglich; und ich werde nie wissen: bin ich ein Falke (ein Spatz), ein Sturm (ein Windhauch) oder ein großer Gesang (ein geträllertes Lied).“